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Geschichten und Legenden
#1
Die Erzählung der Brynnja

„In den goldenen Hallen, von den Augen der Sterblichen verborgen, herrscht der große Wächtervater. Odyn ist sein Name, von den Schöpfern beauftragt über diese Welt zu wachen und jene, die sie ihr Heim nennen. Ein flammender Bart bedeckt sein Gesicht, rot und glühend und sein starres, blitzendes Auge in reinstem Blau blickt durch den Nebel der Welt. Sein Körper ist von Bronze und Elfenbein. Ein Auge opferte er einst für diese Welt, und doch wacht er nun seit Äonen. Aus seinen goldenen Hallen heraus, den Hallen der Tapferkeit, blickt er auf diese Welt und vermag alles zu sehen mit seinem allsehenden Auge. Jene Hallen sind erfüllt von Gelächter und Gelage, der Met aus niemals endenden Fässern und Kannen, und Fleisch von Gründen der Jagd, die kein Ende kennen. Eine große Halle beherrscht diese Hallen, in denen jene speisen, die zu den größten und tapfersten Kämpfern zählen, die es je gab. Nach ihrem Tode werden sie gewogen und entschieden, ob sie würdig sind in diesen Hallen zu verweilen, ein jeder ein Teil des prächtigen Heeres Odyns. Doch jederzeit üben sich diese Krieger auch dem Kampfe, verfeinern und schleifen ihre Fähigkeiten, wie eine Waffe einen Schleifstein braucht um scharf zu sein. Sie sind das Heer, das diese Welt verteidigen soll in den Zeiten der größten Not, wie sie es schon heute tun an jenen Inseln, an denen Könige fielen.“ Die Schamanin nickte bedeutungsschwer. "Und doch, sie sind mehr denn nur Fleisch und Blut. Der Segen des Vaters lässt manche von ihnen zu Kriegern aus Gold und Silber werden, metallene Glieder und Waffen werden ihnen gegeben. Waffen von einer Kunst, die die wenigen sterblichen Schmiede, sogar die Erben der Irdenen, jemals zu erreichen verstehen. Erwählt werden die tapferen Seelen von den geflügelten Maiden. Jene werden von der großen Eyir erwählt, die Größte unter den Dienern Odyns. Von Metall ist auch ihr Körper, von Gold und Bronze ihre Haut, ihre Hände, ihre Rüstung. Nach ihrem Abbild sind die Geflügelten geformt, von denen ein Teil einst dem König der Toten diente im hohen Norden. - Doch die wahren Diener Odyns sind ihre, jene, die ihr "Val'kyr" nennt. Sie sind von Gold und Gold ist ihre Ausstrahlung, ihre Lippen sichtbar, doch ihr Gesicht verborgen. Sie sind Kriegerinnen und Dichterinnen, Sängerinnen und Erzählerinnen. Und doch haben sie die heilige Pflicht jene zu erwählen, die sich als würdig erwiesen haben in der Schlacht, um in die Hallen Odyns zu gelangen. Wenn das große Horn Odyns bläst, so ruft er seine Krieger zu den Waffen und mehr als nur seine eigenen Krieger. Auch die Irdenen aus dem Norden, jene Vrykul und Irdenen aus Eisen unter dem Sohne Odyns schließen sich seinem Kampfe an. Sie alle sind ihm untergeben, ist er doch in den goldenen Hallen der Tapferkeit der hohe Wächter.""

"Wie ich schon sagte, die Macht dessen, das ihr als "Heilige Licht" kennt, ist eine Macht, die schon von Odyn und seinen Maiden seit Äonen angewandt wird. Der alte Segen auf diesen Landen war aus dieser Quelle, und so muss er wieder entstehen."

Und als Draufgabe ein Gedicht, das ich nach der Ahnensuche von Alaran geschrieben hatte!

Hoch im Norden, verborgen hinter Wolken
Dort liegt die Wacht, der stolz‘ Uralten
Hallen sind es, so riesig wie golden
Voll Licht und Ruhm, um Helden zu halten

Die Wacht der Welt, verborgen liegt sie
Ein Hort der Ordnung, der Hoffnung und Lichts
Vor Augen verhüllt, sie kündet von Sieg
Und doch von jenen die Leben, verlangt sie doch nichts

Der Wächter, ein Riese ist er
Von mächtig‘ Statur, voll Kraft und Mut
Die Weisheit ist seine, ein Auge als Opfer
Zu vergießen, der Ordnungs Feinde Blut

Seine Krieger und Maiden, von Gold sie sind
Von Flügeln und Waffen, blitzend im Licht
Die Besten und Größten, die man einst kannt‘
Zum Kämpfen geschaffen, gleich gegen wessen Feindes Gesicht

Die Vrykul, als ihr Abbild geschaffen
Krieger und Barden, Runen und Maiden, Schilde und Axt
Geschaffen zu schützen, bis ins Dunkle der Nacht
So warten sie, in den Hallen des Tapf’ren

So kommt der Kampf, so ziehen sie in die Schlacht
Doch harrt man der Rückkehr, in den Tiefen der Wacht
Geschicht‘ und Gesang erschallt danach
Zu Gedenken der Gefallenen Mut und Tat

Das Auge, auf die Welt es wird wachen
Auch für jene, die ihre Weisheit und Stärke verlachen
Die Maiden und ihre Hörner werden erklingen
Wenn nur genug tapfre Taten wir erbringen

Die Wacht in den Himmeln, so weit und so fern
Und doch so nah für jenen, für wahrer Ehre Begehr
Oh Krieger, so stark und so kühn
Wisse, dein Patron, sein Name ist Odyn.


Das Verschwinden von Fuchsbau

Das in der Baronie Hohenwacht gelegene Dörfchen Fuchsbau, kaum mehr als eine kleine Ansammlung von kruden Hütten an der Grenze zur Baronie Schwertbach, war seit jeher ein glänzendes Beispiel für Bedeutungslosigkeit. Einfache Leute, die einfache Leben führten und nie aus der Masse der übrigen Hochländer herausstachen. Vermutlich hätten sie das auch nie, wäre nicht der Tag der Sommersonnenwende, ein Jahr vor dem Beginn des ersten Krieges im fernen Sturmwind, gekommen. Einwohner naher Höfe schwören, das in jener Nacht die Freudenfeuer brannten, so wie sie es immer taten. Das Gelächter und Musik in den Abendhimmel stieg. Am nächsten Morgen jedoch erschraken eben jene Bauern, als sie in ein leeres Dorf traten. Die Feuer der Nacht glimmten noch, die Häuser, das ganze Inventar, unberührt. Doch die Menschen, Männer, Frauen und Kinder, nicht einer von ihnen war anzutreffen. Nur die kläffenden Hunde und gackernden Hühner der Menschen, die hier lebten. Und ein Junge, der schwachsinnige Thomas, der alleine auf seinem Bett saß und mit einer Puppe spielte. Niemand konnte sich erklären, was geschehen war, oder was aus den guten Menschen von Fuchsbau geworden ist. Ohne eine schlüssige Erklärung machten bald schon die wildesten Gerüchte die Runde, von schrecklichen Flüchen der Trolle, von Monstern aus dem nahen Forst, von unheiligen Anrufungen, begangen in der Nacht der Sommersonnenwende. Was auch immer man sich erzählte, Fuchsbau galt als verflucht und wurde in großem Bogen gemieden und dem Verfall überlassen. Nur der kleine Thomas, egal wohin man ihn mitnahm, floh jedes Mal auf wunderliche Weise und kehrte in das Dorf zurück. Zu diesem Tage noch soll der Schwachsinnige, nunmehr ein erwachsener Mann, in den Ruinen seines alten Elternhauses leben, ohne das sich jemand erklären kann, wie er die Winter überlebt oder nicht dem Hunger zum Opfer fällt. In vielen Nächten sehen die umliegenden Bauern, die noch nicht aus Furcht weggezogen sind, dem Fackelschein eines Feuers zwischen den Ruinen brennen, entfacht von seinem letzten Einwohner. Nur in der Nacht der Sommersonnenwende nicht. Seit all den Jahren blieb der Fuchsbau in jener Nacht in Dunkelheit gehüllt, nur erfüllt von dem unverständlichen Gejammer eines Irren.

Die Legende des Haus des Drachens

Vor langer, langer Zeit, noch vor dem Zeitalter des Helden Thoradin, lebten die Menschen in wilden, unzivilisierten Stämmesverbänden, durchstreiften hungrig und frierend das von hohen Gebirgszügen und tiefen, dunklen Wäldern gezeichnete Land. Jeder dieser noch namenlosen Stämme wurde von einem mächtigen Tierherren beherrscht, einem besonders majestätischen wie intelligenten Vertreter seiner Art, und war seinem Wohl und Wehe auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.

So kam es, dass die Stämme in beständigen Krieg miteinander lagen, weil ein Tierherr den anderen auslöschen, oder zumindest schwächen wollte. Es war eine blutige, brutale Zeit, in der Menschen nicht alt wurden, und die Kinder nicht selten an den Brüsten ihrer Mutter verhungerten, die selbst vor lauter Gram und Leid keine Milch hatten, in der die Menschen an kalten Essen erfroren, in dem Wissen dass Feuer Feinde und Plünderer anlocken würden.

In dieser Zeit führten zwei der Stämme, der eine dem weißen Drachen aus den nördlichen Bergen ergeben, der andere der grauen Mutterwölfin aus den südlichen Wäldern einen unerbittlichen, schon seit Jahrzehnten währenden Krieg um Land und Rohstoffe gegeneinander. So grimm wurde dieser Krieg geführt, dass schon eine Generation sich nicht mehr an den Frieden erinnerte. Die Krieger beider Stämme waren schon so oft aufeinander getroffen, dass selbst die Jüngsten Narben trugen und ihnen Gliedmaßen oder Augen fehlten.

Erstaunlich war, dass Drache und Wolf einander nie ansichtig geworden waren - das sollte sich bald ändern. In wilder Entschlossenheit den Krieg ein für alle mal für sich zu entscheiden zog der Weiße Drache alle Kraft zusammen, die ihm blieb. Unerbittlich führte er seine Truppen, die ausgemergelten Menschen seines Stammes in die Wälder, trieb sie über den Köpfen kreisend und wildes Gebrüll ausstoßend voran. Wo das Heer seine Bahnen zog, blieb nur Asche und verkohlte Überreste auf seinem Weg zurück. So dauerte es natürlich nicht lange, bis die graue Mutterwölfin die heraufziehende Gefahr bemerkte und ihrerseits anfing, ihren Stamm zu sammeln, um die Entscheidung in der Schlacht zu erzwingen.

Schließlich trafen die Stammeskrieger beider Stämme auf einer glühenden, vom Drachenfeuer völlig leer gebrannten Ebene aufeinander. Als die Reihen aufeinander trafen, wogte die Schlacht 2 Tage und 2 Nächte hin und her, ohne dass eine Seite einen wirklichen Vorteil erringen konnte. Es war am Ende die Macht des Drachen, das heiße Feuer, welches dafür sorgte dass die Reihe der Kinder der Grauen Wölfin in sich zusammen brach und den Weg ins Herz ihrer Armee frei gab. Als die Krieger des Drachen, angetrieben von ihrem Herren voransetzten, um den Feind zu zerschlagen, trafen sie schließlich im Zentrum der Feinde auf die Graue Wölfin. Sie war ein riesiges, kräftiges Tier, dass bedrohlich die Zähne fletschte, bereit mit ihren Kindern zu siegen oder aber unterzugehen.

Als die beiden Tierherren jedoch einander ansichtig wurden, stockten sie. Nie hatten beide solche Schönheit und Pracht in einer anderen Kreatur gesehen. Momente der Stille vergingen, Momente, in denen nicht gekämpft wurde, die Stimmung aber bis zum zerreißen gespannt war. Dann, schließlich, ganz langsam neigte der mächtige weiße Drache in Anerkennung sein Haupt. Als die Graue Wölfin es ihm gleich tat, herrschte zuerst ungläubiges Schweigen, nur um aufbrandenden, lauten Jubel unter den Menschen beider Stämme Platz zu machen - der Krieg war endlich vorüber.

Es sollte nicht lange dauern, bis Drache und Wölfin einander ehelichten. Aus ihrer Verbindung wurde Bael Hammerhand geboren, der erste Mensch vom "Blute des Drachen und der Wölfin". Als der junge Bael schließlich zu einem tüchtigen Krieger und einem leuchtenden Beispiel für beide Stämme heranwuchs, dem sie Gefolgschaft leisten konnten, waren die beiden großen Tierherren zufrieden. Sie zogen sich in die Tiefen der Berge zurück, und niemand hat sie jemals wieder gesehen. Die beiden Stämme prosperierten jedoch unter der Herrschaft Baels, und wurden so zu einer Gemeinschaft. Die Kinder Baels, deren Kinder und viele Generationen danach sollten von nun an über diese Menschen herrschen. Das Zeitalter der Tierherren ging für die beiden Stämme zu Ende - und das Zeitalter des Hauses des Drachen war angebrochen.


Die Erzählung von Ranold dem Sippenmörder, Kraz´jin dem Kannibalen und Gwenneth der Tapferen.

Es ist das Zeitalter Stromgardes. Lord Rolland II. van Haven, genannt der Reiter, trägt den Titel des Markgrafen der Hohenwacht.

Obwohl er für seine militärischen Siege gegen die Amani, die ihm seinen Beinamen "der Reiter" einbrachten, bejubelt und gefeiert wurde, vergingen 13 lange Jahre des Friedens, in denen der Ruhm von dereinst zu verblassen begonnen hatte. Eine Bestie auf dem Ross war er, auf dem Feld der Staatsführung jedoch bezeichneten die Gelehrten Lord Rolland bestenfalls als durchschnittlich. Eine uninspirierte Politik, die dem Lande zwar nicht schadete, es aber auch nicht voran brachte, sondern lediglich verwaltete. Auch die persönliche Animosität zwischen dem Markgrafen und Lord Brannir Fausthart, Baron der Nordwestmarken und ein gewiefter Wirtschafter, trübten das Bilde.

Doch dies ist nicht die Geschichte von Rolland dem Zweiten, sondern von seinem Bruder, Ranold van Haven, der später als der Sippenmörder in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Ein eifersüchtiger, streitlustiger und ambitionierter Mann, dem das Schicksal zufiel, der siebte Sohn seines Vaters zu sein – ein Umstand, der ihm zur stetigen Bürde wurde, waren alle Posten von Ansehen und Ehre doch bereits für seine älteren Geschwister vorgesehen. Ein Streit mit seinen Brüdern, geboren aus Trunkenheit und Jahren des Frustes, soll es schließlich gewesen sein, der ihn die Mark verlassen ließ. Jahre zogen in das Land, in denen er zechend und abenteuernd durch die nördlichen Königreiche zog, stets in Begleitung der lordaeronischen Soldkompanie der „Blutigen Gefährten“. Es ist nicht genau verbrieft, wessen Wege Ranold in dieser Zeit kreuzte, oder was ihn schließlich zur Rückkehr bewog. Doch als er 5 Jahre später, nachdem er der Hohenwacht den Rücken kehrte, erneut seinen Fuß auf märkischen Boden setzte, tat er etwas Undenkbares und brachte Blut und Verderben mit sich.

Im geheimen schloss er einen ruchlosen Pakt mit dem ärgsten Feind der Menschen Stromgardes: Den Amani. Die Erzählungen variieren, was genau der Inhalt dieses Paktes war, abhängig davon, welche Maid oder welcher Reck sie grade am Lagerfeuer erzählt. Sie alle sind sich jedoch einig darin, das mit dem trollischen Kriegsherren Kraz´jin, dem Kannibalen, der selbst unter seinesgleichen dafür berüchtigt war, die Leichen seiner Feinde zu verspeisen, gemeinsame Sache machte. Der Sturm auf die Mark begann im Osten, als Vorauskommandos der Amani, die über die Berge kamen, in den Rücken der Grenztruppen Hohenwachts fielen, welche die östlichen Pässe bewachten. Sie überwältigten die ahnungslosen Soldaten und ebneten den Weg für die Hauptstreitmacht der Trolle, die in großer Zahl in die Baronie Schwertbach und den markgräflichen Forst drangen. Die ersten Gefechte mit dem Feind verliefen verheerend für die Hochländer, da die Trolle in den Wäldern Schwertbaches ganz in ihrem Element waren und im Waldkampf brillierten. Schwertbach brannte und erste Überfallkommandos drangen bereits in die Baronie Hohenwacht ein, als der alternde Lord Rolland seine Banner um sich geschart hatte, um Kraz´jins Horden zu begegnen.

Was der tapfere Markgraf nicht wusste war, das sein Bruder Ranold an der Spitze der Soldkompanie der blutigen Gefährten zeitgleich die Mark von Norden her betreten hatte, eingelassen von den Männern Brannir Faustharts, der noch immer in persönlicher Feindschaft mit seinem Lehensherr verbunden war. Unterstützung von dem zurückgekehrten Sohn Hohenwachts erhoffend, wurden Ranold und seinen Söldnern die Tore der Hohenwacht geöffnet, wo er rasten wollte, ehe er seinem ältesten Bruder und dem märkischen Heer in Schwertbach zur Hilfe ritt. So zumindest behauptete er. In Wahrheit brachten die Hochländer damit ihren Untergang über sich. Im Schutze der Nacht ließ Ranold die gefürchteten Schattenjäger von Kraz´jin in die Feste, die im blutigen Treiben alle van Havens, selbst ihre Frauen und Kinder, niedermachten, um anschließend in geheimer Übereinkunft vom vermeintlichen Retter, Ranold und seiner Soldbande, „vertrieben“ zu werden. Zugleich waren es gedungene Mörder der blutigen Gefährten, die sich unter die Truppen der Nordwestmarken gemischt hatten, die in Schwertbach kämpften und das Leben des Lord Rolland, des Reiters, im Getümmel der Schlacht beendeten.

Am nächsten Morgen bereits rief Ranold van Haven sich selbst zum neuen Markgrafen und Retter der Hohenwacht aus, einen Anspruch, den sich mit der Soldkompanie an seiner Seite, niemand in der Feste zu widersetzen wagte. In Schwertbach derweil brach die Verteidigung der Hochländer zusammen, als sie vom Tode ihres Lords erfuhren und sich zugleich einer neuen, wilden Offensive von Kraz´jins Horde gegenübersahen, der die Gunst der Stunde ergriffen. Schon bald standen die blutigen Überreste des märkischen Heeres im Weiler Hohenwacht, die Amani im Rücken und die Tore der Festung Hohenwacht selbst, gehalten von den blutigen Gefährten, fest verschlossen, allem bitten, flehen und toben zum trotze. Sie wappneten sich für ihr letztes Gefecht.

Vermutlich wäre in den kommenden Tagen die ruchlose Scharade des Sippenmörders und des Kannibalen aufgegangen, wäre nicht Gwenneth Fausthart gewesen, die Tochter des Lord Brannir, Baron der Nordwestmarken. Sie hatte ein geheimes Treffen zwischen Ranold und einem der Amani beobachtet, in in den Hügeln hinter der Festung. In der großen Halle, vor versammeltem Hofstaat, stieß sie dem Verräter ein Messer in den Hals, seinen Verrat lauthals heraus schreiend. Als die tapfere Gwenneth Augenblicke später von wütenden Klingen der Söldner erschlagen wurde, brachen tumultartige Szenen aus. Der eingeschüchterte Hofstaat fasste sich ob des enthüllten Verrates ein Herz und erhob sich gegen die fremdländischen Besatzer. Obwohl sie unterlegen und schlechter bis gar nicht bewaffnet waren, gelang es ihnen unter hohem Blutzoll und dank der verheerenden Magie des uralten Hofmagiers Kalon Blütenfrost, die Tore der Hohenwacht zu öffnen und das wartende, märkische Heer hinein zu lassen. Mit wütendem Gebrüll strömten die Hochländer in die Festung und machten die führerlosen Söldner nieder.

Mit dem Tod ihres Markgrafen gerächt, dem Sippenmörder erschlagen und der Festung Hohenwacht wieder in ihrer Hand, stämmten sich die mutigen Soldaten gegen die Trolle der Amani, die ihre Belagerung begannen. Beseelt vom Geiste Bael Hammerhands und dem Opfer von Gwenneth, der Tapferen, hielten sie die Mauern eine ganze Woche lang, bis das Entsatzheer Stromgardes endlich eintraf und die Belagerung aufhob. Auch wenn die Kämpfe sich noch mehrere quälende Wochen hinzogen, voller feiger Hinterhalte im markgräflichen Forst, war die Übermacht der Menschen schlichtweg zu groß und die Trolle zogen sich zurück. Der Krieg war gewonnen, doch die Mark Hohenwacht sollte noch lange Monate von kleinen, mobilen Überfallkommandos der Amani, auf ihren schnellen Raptoren und Fledermäusen im Himmel, heimgesucht werden.

Es heißt, als Baron Brannir Fausthart von dem Tod seiner Tochter, die als Gwenneth die Tapfere in Erinnerung belieben sollte, erfuhr, durch die Hand der Verräter, die er selbst durch den nördlichen Pass gelassen hatte, stürzte er sich vor Gram in sein eigenes Schwert. Der Titel des Markgrafen fiel derweil Aegolf van Haven zu, Sohn des Thorald van Haven, viertältester Bruder, nach Lord Rolland II., welcher anders als sein Vater, der während des Sippenmordes auf der Hohenwacht starb, im Königreiche Alterac ein Turnei besuchte. Es sollte Jahre und viele Mühen brauchen, doch unter der Herrschaft von Aegolf I. würde die Mark sich langsam wieder erholen.

Was Kraz´jin den Kannibalen, Kriegsherr der Amani betraf, so überliefern die Gelehrten, das er 3 Jahre später durch die Hand eines Rivalen getötet wurde, dessen Ambitionen sich mehr auf die Hinterlande, denn auf das Königreich Stromgarde konzentrierte. Weit geläufiger ist jedoch die Version, die die Schildmaiden und Barden verbreiten, in denen es heißt, das ein einsamer Jägersmann in das Lager des Unholdes schlich und ihm einen Pfeil in sein schwarzes Herz schoss. Je nach Erzähler und Publikum handelt es sich dabei entweder um einen einfachen Bauernsohn, der Rache für seine Sippe suchte, einer trauernden Witwe, einem tapferen Rittersmann, oder einem von vielen anderen, tapferen Helden.

Auch erzählen die Maiden bis heute die verschiedensten Schauergeschichten von den zahlreichen Söhnen und Töchtern, die Ranold der Sippenmörder in seinen 5 Jahren des Exiles gezeugt haben soll, deren Nachfahren bis zum heutigen Tage in den Schatten integrierten, um den Thron des Markgrafen zu fordern, den sie als ihr Geburtsrecht ansähen.
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